Ein paar Gedanken zu Saatgut

Herkömmliches gekauftes Saatgut ist in den meisten Fällen hybridisiertes Saatgut, sogenannte F1 Hybriden. Hybrides Saatgut wird als solches bezeichnet, wenn es aus zwei reinerbigen Sorten gekreuzt wurde. Nach Mendel´scher Kreuzungslehre wissen wir, daß sich solche Samen wieder auseinander kreuzen. F1 Hybride Kreuzungen können den Vorteil haben, dass die aus dem Hybrid entstehenden Pflanzen mindestens zwei oder mehrere positive Merkmale beider Eltern in sich vereinen und in der Frucht oder im Blatt ausdrücken. Allerdings gilt es eben zu beachten, daß Hybride nicht stabil, also samenfest sind. Wenn Saatgut aus Hybriden zur Weiterzucht gewonnen wird, fallen die entstehenden Pflanzen wieder in ihre frühere Diversität zurück.

Hybridsaatgut mag durch die hervorragenden Eigenschaften der gewonnen Pflanzen bestechen, jedoch eignet sich solches Saatgut nicht gut zum langfristigen Anbau über Eigen-Saatgewinnung, Sie sind nicht samenecht und für eine Fruchtbildung nicht geeignet.

Im Wesentlichen ist die Verwendung von F1 Hybriden als Saatgut gar nicht so übel oder schlimm, sofern man das Saatgut jährlich kaufen will. Wenn wir Hybride weiter züchten. werden wir mit dem gewonnenen Saatgut jedoch nicht so glücklich. Bei einigen Pflanzen können wir damit sogar ernsthafte „Probleme“ bekommen.

Beispielsweise zeichnen sich Pflanzen aus der Gattung der Panzerbeere, dazu gehören Kürbis, Gurke und Zucchini sehr stark darin aus, dass sie sich schnell und gerne rückkreuzen. Gerade diese Rückkreuzungen, welche man aus selbstgewonnen Kürbis- Gurken- oder Zucchini-Samen aus einem F1 Hybrid erhält, neigen dann sehr stark dazu in der Erblinie zurückzufallen und dann große Mengen an Curcubitacin zu enthalten. Curcubitacine sind sehr giftige Bitterstoffe, welche beim kochen nicht zerstört werden und nach Verzehr Magen- und Darmschleimhaut angreifen und diese auflösen können. Je nach Dosis. Die Vergiftung durch bitter schmeckendes Kürbisgemüse kann eine schwere Lebensmittelvergiftung nach sich ziehen, welche je nach Vergiftungsgrad bis zum Tod führen kann. Normalerweise schmeckt das zubereitete Essen bitter und ist somit leicht erkennbar. (The Food Safety Hazard Guidbook, Lawley, Curtis, Davis, 2012. RSC Publishing. Royal Society of Chemistry. S263)

Was tun, wenn wir keine F1 Hybriden ansäen wollen?
Es gibt die Möglichkeit, sich nach samenechtem Saatgut umzuschauen und dieses zu verwenden. Alte Sorten sind samenfest und eigentlich für „Selbst-Saatgut-Versorger-GärtnerInnen“ die beste Wahl aus den Kreisläufen von Bayer und Monsanto herauszukommen. Bei Tomatensorten gibt es in der Community der GärtnerInnen einen wahren Fundus an alten und samenfesten Sorten. Solches Saatgut wird oft in Foren angeboten und gehandelt. Oft betragen die Unkosten nur Rückporto oder zugesandte Briefmarken, um die Verbreitung von „Alten Sorten“ zu gewährleisten.

Ein weiters interessantes Phänomen ist, dass es mittlerweile kaum Open-Source-Saatgut gibt. Die Open Source Saatgutbewegung gibt es seit einigen wenigen Jahren. Open Source ist mittlerweile nur eine einzige Tomatensorte, wir sprechen hier nicht von „Alten Sorten“. Die Sunviva wurde von der Universität Göttingen entwickelt und von Culinaris als Saatgut distributiert. Das Saatgut darf weiter vermehrt und für eigen Züchtungen genutzt werden. Zudem gibt es auch noch Sommerweizen als Open-Source-Saatgut.
https://de.wikipedia.org/wiki/Open-Source_Saatgut_Lizenz


Link-Tipps:

http://www.opensourceseeds.org
https://de.wikipedia.org/wiki/Open-Source_Saatgut_Lizenz
http://www.opensourceseeds.org/saatgut/tomate-„sunviva“